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4. Grund

Weil Bildung immer auf vorheriger Bildung aufbaut, ist die frühkindliche Bildung von entscheidender Bedeutung für die Chancengerechtigkeit. Besonders Kinder, die unter schlechteren Lebensbedingungen aufwachsen, profitieren von guter früher Bildung: Daher kommt der Gesellschaft eine bedeutende Rolle zu.

Dieser Zusammenhang wird insbesondere aufgrund US-amerikanischer Forschungsergebnisse für Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien festgestellt. Die Analysen der sogenannten Perry-Preschool-Studie zeigen insbesondere für benachteiligte Kinder ein extrem positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Manchmal ist die Spannbreite 1:17, wie bei der berühmten Perry-Preschool-Studie. Ein investierter Dollar kommt also mit 17-fachen Nutzen zurück. Andere Untersuchungen kommen zu einem Nutzen von 1:2.   Man rechnet gegen, wie sich die Quote der Schulabbrecher verringert, wie viele Kinder mehr das College besuchen, die dann ein höhere Erwerbseinkommen haben und in ihrem späteren Lebensverlauf mehr Steuern bezahlen. In hoch belasteten Gebieten wird oft berücksichtigt, dass Jugendliche weniger kriminell werden. Aus einer Lebensverlaufsperspektive scheint es demnach besonders effizient, vor allem bei Kindern aus benachteiligten Familien Bildungsinvestitionen im frühen Kindesalter zu tätigen.

Eine erste wichtige Erkenntnis der bildungsökonomischen Forschung der letzten Jahre besteht also darin, dass Bildungsmaßnahmen gerade bei benachteiligten Kindern umso höhere Erträge erzielen können, je früher sie ansetzen.

Daher erhöhen diese Investitionen die Chancengleichheit in einer Gesellschaft und sind demnach auch vor dem Hintergrund von Gerechtigkeitsüberlegungen sinnvoll. Die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen und vorschulischen Bildung für alle Kinder ist ein wichtiger Bestandteil einer Bildungsreform zur Beseitigung unzureichender Bildung.


(vgl. u.a. James Heckmann 2006 & 2007; Katharina Spieß 2009, Ludger Wößmann  2010)