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Ausfinanzierung bedarfsgerechter Betreuungszeiten

Passgenaue Betreuungszeiten oder die (Wieder-)Einführung einer dritten Betreuungsstufe mit entsprechend einhergehender öffentlicher Finanzierung ist ein ebenso wichtiger Schritt zur Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation.

Im Rahmen des Projektes KitaZoom - Ressourcen wirksam einsetzen wurde deutlich gemacht, dass wir  in Brandenburg einen erheblichen Anteil von Kindern mit Betreuungszeiten mit 8 und mehr Stunden haben. Zugleich ergibt sich aus den derzeitigen landesgesetzlichen Regelungen, dass die öffentliche Förderung der Personalkosten lediglich eine Ausfinanzierung von 7,5 Stunden pro Tag und Kind möglich machen. Allein in der Landeshauptstadt Potsdam wurden damit in 2013 im Krippenbereich mehr als 296.000 Betreuungsstunden und im Kindergartenbereich mehr als 514.000 Stunden geleistet, die keine öffentliche Finanzierung erfahren.

Eine nicht den Betreuungsbedarfen entsprechende Finanzierung leistet damit einen nicht unerheblichen Beitrag zur weiteren Verschlechterung in der Fachkraft- Kind- Relation. Denn werden Kinder länger als 7,5 Stunden täglich betreut, wie bei derzeit mehr als 2/3 der Kinder im Land Brandenburg, muss das vorhandene Personal über die längeren Betreuungszeiten verteilt werden. Dadurch werden das tatsächliche Betreuungsverhältnis und die Qualität der Betreuung für alle Kinder verschlechtert.

Nach § 10 Abs. 1 Kita-Gesetz wird pauschal nur zwischen den Betreuungszeiten bis zu sechs Stunden (Mindestbetreuungszeit) und mehr als sechs Stunden (verlängerte Betreuungszeit) täglich unterschieden. Den Bedarf der Novellierung des Kita-Gesetzes und einer einhergehenden Finanzierung haben zwischenzeitlich alle an der Umsetzung und Finanzierung Beteiligten erkannt.

Nach den ab 01.08.2017 und 01.08.2018 Verbesserungen in der Personalbemessung für Kinder über 3 Jahre bis Schuleintritt wird daher zwingend eine Systemveränderung notwendig sein, die weitere Personalressourcen dort zur Verfügung stellt, wo sie entsprechend längerer Betreuungsumfänge am dringendsten benötigt werden, um o.g. Negativwirkungen auf die Fachkraft-Kind-Relation spürbar abzubauen.

Mit einer entsprechenden Finanzierungsberücksichtigung von passgenauen Betreuungszeiten oder der (Wieder-)Einführung einer dritten betreuungsstufe im Kita-Recht würde nicht nur eine derzeitige „Mogelpackung“ abgeschafft, sondern zusätzliche Fachkräfte können für die Begleitung frühkindlicher Entwicklungsprozesse eingestellt werden.