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Inklusion und Integration

Neu ist die Idee der Inklusion eigentlich nicht. Schon Ende des Jahres 2006 wurde das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Seit März 2009 ist es für Deutschland völkerrechtlich verbindlich. Neben vielen anderen Bereichen geht es in dem Artikel „Bildung“ darum, dass Kinder mit Behinderung die gleichen Chancen auf Bildung haben müssen wie nicht behinderte Kinder. Und das gilt auch für Kindertagesstätten.

Kinder mit Behinderung haben ein Recht auf wohnortnahe Betreuung. Das ist in den Sozialgesetzbüchern VIII, IX und XII geregelt. Aus diesem Grund besuchen zunehmend mehr Kinder mit Handicap Regeleinrichtungen.

Sonder-Kitas, die ausschließlich Kinder mit Behinderung betreuen, gibt es in Brandenburg seit Anfang der 1990er nicht mehr. Und viele Kindertagesstätten arbeiten heute schon inklusiv bzw. integrativ. Das bedeutet, sie werden von Kindern mit und ohne Behinderung besucht. In Brandenburg wurden 2012 3651 Kinder mit Behinderungen in Brandenburger Kitas betreut –  2/3 davon in den 78 Integrationskitas und 1/3 aller Kinder mit Behinderung in den sogenannten „Regelkitas“. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Anzahl der „Regelkitas“, die Kinder mit Behinderungen betreuen, um 7,5 % erhöht. Tendenz steigend.

Insgesamt liegt der Anteil Brandenburger Kitas, die mindestens ein Kind betreuen, welches eine Eingliederungshilfe erhält, bei rd. 24%. Im bundesdeutschen Durchschnitt sind es gut 33%. Es ist deshalb plausibel, dass sich in Brandenburg die Verteilung der Kinder mit einer Eingliederungshilfe auf verhältnismäßig weniger Kitas darstellt als im bundeweiten Vergleich.

Andererseits: Inklusives oder integratives Arbeiten bringt auch für die pädagogischen Fachkräfte neue Herausforderungen mit sich. Und vor allem:

Eine „Kita für alle braucht Zeit"

Durch die besondere Förderung, Hilfestellungen und Pflege werden oft noch höhere Ansprüche an die Fachkräfte in den Kitas gestellt. Hierfür ist entsprechend qualifiziertes und mehr Personal notwendig. Denn inklusive Arbeit in Kitas braucht Zeit:

  • Wenn ein Kind mit Behinderung in den Kindergarten kommt, ist das auch für die Eltern eine große Herausforderung. An das Gefühl, dass das Kind, das so sehr auf sie angewiesen ist, plötzlich auch durch andere Menschen betreut wird, müssen sie sich erst ganz langsam gewöhnen. Ein enger Kontakt zu den pädagogischen Fachkräften ist darum von Anfang besonders wichtig wichtig.
  • Von Beginn an müssen Förderpläne gemeinsam aufgestellt werden und es muss besprochen werden, wie die Entwicklung des Kindes gefördert werden kann. Um diese Pläne zu besprechen, muss genügend Zeit eingeplant werden. Oft haben die Eltern einen hohen Gesprächsbedarf, dem genug Raum gegeben werden sollte.
  • Auch für das Kind ist die erste Zeit im Kindergarten sehr aufregend und es muss sich langsam an die neue Situation gewöhnen. Denn gerade Kinder mit Behinderung haben oft eine sehr enge Bindung zu ihren Eltern, weil sie meist rund um die Uhr mit ihnen zusammen- und auf ihre Hilfe angewiesen sind. In der ersten Zeit im Kindergarten müssen die Kleinen darum langsam und behutsam an die neue Situation herangeführt werden.
  • Im Prozess der gemeinsamen Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindertageseinrichtung sind die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes zu berücksichtigen und zu fördern – ob mit oder ohne Behinderung, ob mit oder ohne Lernschwäche, ob mit oder ohne Migrationshintergrund… Das erfordert viel individuelle Aufmerksamkeit.
Solange keine Verbesserung des Personalschlüssels erfolgt, fehlt daher jenseits der zeitlich begrenzten Frühfördermaßnahmen die Zeit für individuelle, bedürfnisorientierte Förderangebote im Kita-Alltag.

Die gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung bietet viele Chancen. Denn die Kleinen wachsen so schon früh in einem Umfeld auf, in dem es normal ist, dass jeder Mensch seine besonderen Fähigkeiten und Talente besitzt und dass jeder Mensch anders ist.  Denn Inklusion bedeutet nicht, dass sich bestimmte Kinder der Gruppe anpassen müssen. Inklusion bedeutet, dass sich die Gruppe selbstverständlich aus vielen verschiedenen Kindern zusammensetzt.

Auch für Kinder mit Behinderung bietet die inklusive Betreuung in vielen Fällen Vorteile. Die Kleinen gehören selbstverständlich zur Gruppe dazu und sie fühlen sich angenommen und akzeptiert. Und wenn ein Kind merkt,  dass es ganz selbstverständlich dazugehört, spielt das eine entscheidende Rolle für seine Identitätsfindung. Das gilt insbesondere auch bei Kindern mit Behinderung. Das Angenommen Sein in der Gruppe prägt häufig für das gesamte spätere Leben.

Allein dafür lohnt sich eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation!