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Pressemitteilung 01 / 2014

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23.01.2014

„GEMEINSAM FÜR: GUTE BILDUNG. VON ANFANG AN!“ - KönigsKinder starten die brandenburgweite Kita-Kampagne 2014

Sie waren ganz schön aufgeregt, die zehn kleinen Vertreter der Potsdamer Kita KönigsKinder. Denn: Ausgestattet mit einem überdimensional langen Schlüssel waren sie in Begleitung ihrer Erzieherinnen am Donnerstag früh mit Bus und Bahn zum Landtagsschloss gekommen und haben stellvertretend für rd. 159.000 Kita-Kinder im Land Brandenburg den offiziellen Auftakt der Kita-Kampagne „Gemeinsam für: Gute Bildung. Von Anfang an!“ übernommen. 

Den symbolischen Schlüssel überreichten sie unmittelbar vor der ersten Plenarsitzung der Vizepräsidentin des Landtags Gerrit Große. Für die Vertreter aller Landtagsfraktionen hatten sie Türanhänger mit Kampagneninformationen dabei.

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Fotos: Bettina Straub
 

„Der große Schlüssel ist ein Symbol für verschiedene Botschaften“ erklärt Anne Böttcher, Vorsitzende der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände im Land Brandenburg, die mit der Übergabe den Auftakt für eine mehrmonatige Kita-Kampagne gegeben haben. „So wollen wir alle Landesparlamentarier auffordern, für Themen guter frühkindlicher Bildung im neuen Landtag Türen – und Ohren - aufgeschlossen zu lassen. Zum anderen verdeutlicht der Schlüssel die Dringlichkeit der Verbesserung des Personalschlüssels im Land Brandenburg, der im bundesweiten Vergleich der sogenannten Fachkraft-Kind-Relation nach wie vor zu den traurigen Schlusslichtern gehört.“

Fotos: Bettina Straub
 

Die Initiatoren der Kampagne, die bereits 2009 mit einer landesweiten Kampagne auf die dringend zu verbessernden Rahmenbedingungen aufmerksam gemacht hatten, kündigten auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag an, dass es im Wahljahr 2014 gemeinsam mit Eltern und Fachkräften laut, bunt und vor allem nachdrücklich darum gehen wird, die Personalsituation in den Kindertagesstätten so zu verbessern, dass die Qualität frühkindlicher Bildung gesichert und weiterentwickelt werden kann. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege halten an ihren Forderungen von 2009 fest und erinnern an den ebenfalls vor 5 Jahren eingeforderten Stufenplan.

„Es geht darum, dass das Land verbindlich sagen muss, wie es perspektivisch gute Kita sicherstellen will. Es braucht für alle, die in diesem Bereich tätig sind, bei allem Verständnis für die öffentlichen Kassen, eine klare Perspektive. Aktuell gehen die Rahmenbedingungen zu Lasten der Kinder und Erzieher“, so Bettina Stobbe, Fachreferentin beim Paritätischen Landesverband, die in diesem Zusammenhang auch auf die Forderungen der diesjährigen Kampagne hinweist: „Wir wissen, dass mit  den Forderungen für mehr Zeit auch Forderungen für mehr Geld einhergehen. Und wir wissen heute umso mehr, dass dies nur GEMEINSAM gehen kann.“. Damit spielt sie auf die nicht unwesentliche Rolle und (Finanz-) Verantwortung der Kommunen an.

Und Anne Böttcher, zugleich Landesgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, ergänzt: „Es gibt leider immer noch zu viele Kommunen, die nicht nachvollziehen, dass  frühkindliche Bildung DER Schlüssel für die Zukunft ihrer Region und für das Land ist und über die  gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Vielmehr be-obachten wir aufgrund der Kassenlage vieler Kommunen einen enormen Sparzwang, der zu Lasten der Jüngsten geht. Leider führen selbst die geringsten Überlegungen auf Landesseite, die auf eine Verbesserung abzielen, immer wieder zum gleichen Reflex bei den Kommunalen Spitzenverbänden: dem Verweis auf das strikte Konnexitätsprinzip. Dies ist umso unverständlicher, da allein über 950 Kitas in kommunaler Trägerschaft und insofern in direkter Verantwortung der Städte und Gemeinden in Brandenburg liegen. Mit dieser rein finanziellen Blickrichtung der Kommunen produziert man einen Stillstand, der fatal für die Bedeutung frühkindlicher Bildung ist.“
 
„Aktuell bringt der Alltag die pädagogischen Fachkräfte an ihre Grenzen“, weiß Bettina Stobbe, Referentin für Bildung bei Paritätischen Landesverband zu berichten. Der Personalschlüssel beispielsweise im Krippenbereich von 1:6 stellt nur eine theoretische Größe dar, da in ihm alles enthalten sei, was es an Personalressourcen bereitzustellen gilt. Rechnet man Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Ausfallzeiten wegen Fortbildung, Krankheit oder Urlaub hinzu, kommt man im besten Fall auf ein Verhältnis von 1:9 – oftmals sogar noch mehr. „Und auch im Kindergarten reden wir aktuell von einem Verhältnis von 1:16 statt von 1:12 und in unseren Horteinrichtungen von 1:23 statt 1:15“ fügt Jürgen Schwochow, Vertreter des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hinzu, der weiß, dass diese statistischen Zahlenspiele bei Betrachtung des Alltags vieler Einrichtungen noch einmal nach oben korrigiert werden müssten.

Neben der Verbesserung des Personalschlüssels, der Anerkennung von Vor- und Nachberei-tungszeiten (sog. mittelbarer pädagogischer Arbeit) und einem verbesserten Praxisunterstüt-zungssystem, hält die LIGA auch dringend an einer längst überfälligen Korrektur zu den Regelungen der Freistellung für Leitungstätigkeiten in den Kitas fest. Seit Jahren diskutieren wir hier die Schlüsselrolle der Kita-Leitung für die Qualitätssicherung und –entwicklung und es werden mit jeder Qualitätsoffensive neue und notwendige Aufgaben draufgepackt. Zugleich werden die Leitungskräfte mit der Frage allein gelassen, wo sie – neben der Abdeckung von Gruppendiensten - die notwendigen zeitlichen Ressourcen für die vielfältigen pädagogischen und organisatorischen Aufgaben hernehmen sollen.