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Leitungsfreistellung

Die berücksichtigten Anteile für die pädagogische Leitungsfreistellung sind in Brandenburg abhängig von der Einrichtungsgröße und richten sich nach  aktueller Rechtsgrundlage nach der Anzahl der Mitarbeiterstellen als Vollzeitequvialent.

Das stellt sich als Orientierungsmaß wie folgt dar:

* 1 VZE kann bedeuten, dass es auch 2 Halbtagskräfte sind oder in einer Kita mit rein rechnerischen 10 VZE  können 17 Fachkräfte und damit Personen in der Einrichtung beschäftigt sein, für die die Kitaleitung die Personalverantwortung trägt.

Der organisatorische Leitungsanteil, z.B. für die Verantwortung für Sauberkeit, Hygiene und Ordnung, für die Vorbereitung von Elternveranstaltungen, Aufstellung von Ausbildungsplänen, Personalangelegenheiten, konzeptionelle Weiterentwicklung und vieles mehr ist im Land Brandenburg lediglich dem Grunde nach bestimmt und liegt in der Finanzierungsverantwortung der jeweiligen Kommune. In der Gesetzesbegründung zur Personalschlüsselverbesserung in 2010 geht die Landesregierung von einem Anteil des organisatorischen Leitungsanteils in selber Höhe wie dem pädagogischen Anteil aus. Allzu häufig definieren jedoch die Kommunen diesen Anteil als eine freiwillige Leistung und ermöglichen somit nicht den Trägern eine angemessene Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Damit bleibt es vieler Orts abhängig von der kommunalen Kassenlage und Prioritätensetzung.

Streng genommen abzuziehen wären also von dem theoretischen Personalschlüssel neben den Zeiten für mittelbare pädagogische Arbeit und Fehlzeiten der Fachkräfte also noch jene Zeiten, die die Kita-Leitung für ihre vielfältigen Aufgaben im Rahmen ihrer organisatorischen und pädagogischen Verantwortung für die Einrichtung über dieses Maß hinaus wahrnimmt.

Was fehlt ist Zeit! … ein einfaches Beispiel:

Geht die Leitung einer Kita mit mittlerer Einrichtungsgröße zu einer eintägigen Konferenz, Tagung etc., dann hätte sie streng genommen nur noch max. 1-2 Stunden Zeit in der Woche für die Leitungstätigkeit, da sie dann in den sog. Gruppendienst gehen muss. Elterngespräche inkl. Beratung in Krisensituationen, Aufnahmegespräche, Sicherstellung der Praxisausbildung für Praktikanten und neue Fachkräfte und Wahrnehmung von Kinderschutzaufgaben könnten ebenso nicht ausreichend bzw. gar nicht wahrgenommen werden wie auch Fragen der fachlichen Weiterentwicklung und Qualitätssicherung sowie „Managementaufgaben“ vielfältigster Art einschließlich Fragen der Mitarbeiterführung.

Leitungskräfte in Teilzeit hätten dann in jener Woche theoretisch keine Zeit mehr für ein Elterngespräch oder sonstige Leitungsaufgaben, wenn durch sie auch der „Gruppendienst“ abgedeckt werden muss.

Insofern regeln viele Einrichtungen / Kita-Träger die Leitungsfreistellung großzügiger, was wiederum zu Lasten der tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation mit Blick auf die unmittelbare Arbeit am Kind geht.

Was fehlt ist Zeit! – Für die vielfältigen Leitungsaufgaben

Ein Blick in das Aufgabenprofil für Kita-leitung aus dem Jahre 1999 verrät, wie umfangreich die Aufgaben einer Kita-Leitung sind (ausführlich: siehe hier [PDF]).

Die Aufgaben der pädagogischen Leitung sind im Zuge der Qualitätsentwicklung der letzten Jahre anspruchsvoller und umfangreicher geworden  und umfassen heute u.a.:

  • Sicherstellung der Umsetzung des verbindlichen Bildungsauftrages
  • Einführung von Qualitätsstandards
  • Evaluation und Qualitätssicherung
  • fachliche Begleitung des Übergangs von Kindertageseinrichtung zur Schule
  • Vernetzung mit anderen Einrichtungen und im Sozialraum
  • Mitwirkung in Netzwerken Kindergesundheit und Familienbildung
  • Wahrnehmung von Kinderschutzaufgaben
  • Vermehrte Anfragen zu Elternberatungen in Problemsituationen
  • Elterninformationsarbeit
  • Erstellung und Begleitung von Förderplänen
  • Verantwortung für Konzeptentwicklung und Konzeptsicherung im Rahmen kontinuierlicher Qualitätsentwicklung
  • Konzipierung zusätzlicher flexibilisierter Betreuungszeiten
  • Beteiligung an der Fachkräftegewinnung und Personalauswahl
  • Teamführung und Personalentwicklung
  • Erstellung von Fortbildungsplänen und Sicherstellung der fachlichen Begleitung künftiger Fachkräfte/Quereinsteiger
  • Sicherstellung der Praxisausbildung von Praktikanten und Studierenden in berufsbegleitender Ausbildung
  • Mitarbeiterschulung und Verantwortung für die Einhaltung und Überwachung der Schutzbestimmungen
  • Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Träger, dem Einrichtungsträger (Vorstand), Mitverantwortung für betriebswirtschaftliche Aufgaben
  • Akquise, Öffentlichkeitsarbeit
  • Schnittstellenaufgaben zur Verwaltung, Abrechnung und Planung

Unzureichende Ressourcen der pädagogischen Leitung haben unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungsstabilität und die pädagogische Qualität in den Einrichtungen frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung. Nimmt die Leitung alle aktuell an sie gestellten Aufgaben im notwendigen Maße wahr, laufen die Einrichtungen zunehmend Gefahr, dass dieses zu Lasten der tatsächlichen Präsenz in den Gruppen und damit zu Lasten der täglichen Fachkraft-Kind-Relation geht.

Und eines wird ebenfalls schon allein bei der Betrachtung der vorhergehenden Punkte deutlich:

In der Realität lässt sich eine Trennung beider Aufgabengebiete gar nicht vornehmen. Denn selbstverständlich fällt bei vielen pädagogischen Leitungsaufgaben auch ein organisatorischer Arbeitsaufwand an. Daher muss perspektivisch die Aufhebung dieser künstlichen Trennung von pädagogischen und organisatorischen Leitungsaufgaben gemeinsam vorangebracht werden.