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Stellungnahme

LIGA vor Ort Frankfurt (Oder) zum Koalitionsvertrag

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24.10.2014

Stellungnahme der LIGA vor Ort Frankfurt (Oder) zum Koalitionsvertrag

Rot / Rot verzögert weiter die zugesagte Verbesserung der Kitabedingungen in Brandenburg! Was im Koalitionsvertrag von den Versprechungen für bessere Bildungsbedingungen in Kitas übrig geblieben ist, wird Brandenburg weitere Jahre zum Schlusslicht bei Kita-Qualität machen!

Der Vertrag trägt die Überschrift: „Brandenburgs Aufbruch vollenden.“ In den Ohren von Eltern, Kindern und Fachleuten frühkindlicher Bildung klingt das zynisch.

Dem schon in 2009 versprochenen und bis heute nicht erfüllten Stufenplan zur Verbesserung der Bildungsbedingungen in Kitas folgt jetzt eine ein- bis zweijährige Phase des Nichtstuns. Die Personalschlüsselverbesserungen für unter 3- jährige sollen in 2016 und die für über 3- jährige sogar erst in 2017 eingeführt werden. Der „Stufen- Plan“ hat damit 6 Jahre (von 2010 bis 2016 bzw. 2017) keine einzige Stufe. Ein Plan ist er auch nicht, denn im Koalitionsvertrag findet sich kein Wort zu Horten, Leitungsfreistellungen, Finanzierung der realen Öffnungszeiten und/oder Qualitätsoffensive.

Eine Kitaleiterin: „Ich höre noch die Worte der Parteien vor der Wahl. Wir sollten sie an die Versprechen erinnern, wenn sich nichts an der Verbesserung der Kitabedingungen tut". Jetzt - nach der Wahl - scheinen die Verbesserungen nach 4 verlorenen Jahren erneut immerhin so unwichtig, dass man sie für weitere Jahre verschiebt. Stattdessen nehmen wir prima Parteisprechprosa zur Kenntnis, wie zum Beispiel beim Thema Familie: „Brandenburg soll zum Vorreiter für Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt werden.“ Die Kitaleiterin: „Wie wir mit diesen schlechten Bedingungen die langen Kita- Öffnungszeiten sichern sollen, damit Familie und Beruf vereinbar sind - alles keiner Erwähnung wert.“ Ihre Kollegin ergänzt: „Meine Mitarbeiterinnen sind sehr entsetzt. Sie finden es unglaublich und haben ihr Vertrauen als Wählerinnen in die Politik verloren. Zum Teil fühlen sie sich von den gewählten Vertretern missbraucht und getäuscht". Dabei verkennen die Erzieherinnen nicht, dass es zu allererst Kinder sind, deren Alltag seit Jahren mit zu wenig Personal gestaltet, begleitet und unterstützt wird. Und die Eltern, die sich mehr wünschen, als Tür- und Angel- Gespräche mit den Mitarbeiterinnen. Die sich sicher sein wollen, dass ihr Kind nicht nur abgeben werden kann, sondern individuell wahrgenommen wird, seine Fähigkeiten entwickeln kann, zugehört bekommt.

Die Situation in den Horten wird im Koalitionsvertrag weitgehend ausgeklammert. Die Rede ist von Inklusions- Modell- Schulen, die weiter wie bisher ausgestattet werden sollen. Dabei ist bekannt: Die Personalschlüssel im Hort (den überwiegend die gleichen Kinder besuchen, die vormittags im Unterricht sitzen) bedeuten, egal ob mit oder ohne Inklusion von Kindern mit bereits zusätzlichem Betreuungsbedarf, dass eine Erzieherin/Betreuerin verantwortlich ist für 18 Grundschulkinder. Und das auch nur, wenn keine Kollegin ausfällt.

Nein, für das Wohlergehen in Kitas, für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für qualitativ hochwertige Bildungsarbeit und Betreuung in den Kindertagesstätten, für gute Arbeitsbedingungen in einem um Fachkräfte konkurrierenden Arbeitsmarkt kann nicht von Vollendung gesprochen werden. Schlimmer: Der zaghafte Aufbruch aus dem Jahr 2010 ist nicht einmal fortgesetzt worden.

Unser Land Brandenburg ist seit 2009 deutschlandweit auf dem vorletzten und letzten Platz bei der Personalausstattung in Kindertagesstätten. Wie im Hase-und-Igel-Märchen wird Brandenburg vor der nächsten Wahl 2019 erneut mit der ernüchternden Tatsache konfrontiert werden, dass seine Kinder wieder unter schlechteren Bedingungen betreut werden, als in allen anderen Bundesländern. Wieder Schlusslicht – wieder die rote Laterne!